Es ist vorbei, eine Dekade "Reformations"jubiläum. Hier eine kurze Erinnerung   


Das „Lutherjahr“ 2017

Vor knapp 500 Jahren hat Martin Luther einem Brief an seinen Vorgesetzten seine 95 Thesen beigelegt. Ein „Anschlag“ mit Papier hört sich zwar revolutionär an. Dieser Begriff ist aber eher dem Ziel der Erlangung der Bedeutungshoheit geschuldet und mehr einem innerkirchlichen Vorgang zugehörig, als dass er als Akt historisch überhöht werden muss und nachgewiesen ist.

 

Seit fast 10 Jahren wird auch ein protestantischen Kreisen nicht unumstrittener Mann mit einer „Lutherdekade“ als der Reformator gepriesen. Dass der Steuerzahler sich mit über 250 Mio. € (Quelle: Recherchen von Dr. Carsten Frerk) an diesem Brimborium fraglos beteiligen muss, taugt eigentlich mehr zum Kopfschütteln, als das Feierlaune aufkommen könnte.

Luther hat die Thesen an einen Bischoff in Mainz auf jeden Fall etwa 200 Jahre bevor der Begriff Reformation überhaupt inthroniert wurde versandt. Mit dem Begriff Reformation sollte in Bezug auf Luther demnach durchaus vorsichtiger umgegangen werden. Weitere 300 Jahre vergingen, bis die „Botschafterin für das Reformationsjubiläum“ Margot Käßmann, ihre „Freude über die geistlichen Gaben der Reformation“ zum Ausdruck brachte. Ob sie dabei die Judenhetze und Frauenfeindlichkeit Luthers oder seine Tötungstiraden gegen die aufständischen Bauern meinte, bleibt ihr Geheimnis. Wir haben einige Aussagen Luthers nun vertonen lassen, so dass sich der Leser dieser Zeilen auch einen relativ persönlichen Eindruck vom gefeierten Reformator machen kann (hier in Kürze einige Beispiele als Audio-Download).

 

Nach solchen Äußerungen erscheint auch die Aussage des neuen Bundespräsidenten, Frank-Walter Steinmeier (SPD), eher unredlich, dass „Luther und die anderen Reformatoren die entscheidenden Impulse für unser heutiges Verständnis von Freiheit, Bildung und gesellschaftlichem Zusammenleben“ gaben. Verständlich ist diese Äußerung allerdings unter dem Licht der Konfessionszugehörigkeit des Nachfolgers vom evangelisch-lutherischen Ex-Pastor Gauck. Zählt sich Steinmeier doch der evangelisch-reformierten Kirche zugehörig und meinte mit „anderen Reformatoren“ somit noch Zwingli, der z. B. den Rat von Zürich zur Verfolgung und Hinrichtung der Täufer bewegte sowie Calvin, dem ebenso viele Hinrichtungen zugerechnet werden müssen.

 

Aber Geschichtsklitterung gehörte schon immer zum politischen Werkzeug.

 

Die Reformation spaltete die katholische Kirche und war somit vorrangig ein theologisches Ereignis. Dass sich mit der entstandenen Konfession alte und neue Obrigkeiten begründen konnten und die theologischen Standpunkte nicht nur bis ins 3. Reich für vieles Menschenverachtende herhalten mussten, sollte auch der der Prädestinationslehre anhängende Bundespräsident wissen.

 

Die Kirchen wähnen sich noch immer dem Staat göttlich übergeordnet und sichern mit enormer Lobbyarbeit ihre Privilegien und Sonderrechte. Da dies die direkt und indirekt gewählten Staatsvertreter oft noch goutieren und Kirchenereignisse wie gesamtgesellschaftliche mit dem Geld aller Bürger unterstützen, wäre es eigentlich Zeit für eine tatsächliche Reformation. Und dafür sollte man auch mit besserem Gewissen 250 Mio. € in die Hand nehmen dürfen.

Aufgrund der zahlreichen Veröffentlichungen zum „Lutherjahr“ kann sich jeder Interessierte ein umfassendes Bild zum Thema machen. Wir haben einen Flyer sowie die Zusammenstellung über die öffentliche Mitfinanzierung drucken lassen (hier in pdf.-Form). -HH-

Unser Luther-Flyer ist natürlich bei uns erhältlich.




Hier finden Sie Beispiele von Luthers Äußerungen

Weitere knapp 20 Zitate sind professionell eingesprochen worden und werden für eigene Veranstaltungen genutzt. Bei Interesse daran bitte bei uns melden. 


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01 Wenn ich einen Juden taufe B.wav
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02 Die Vernunft ist das... A.wav
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